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ATIs Geschichte von Mach bis Radeon

Nunmehr 23 Jahre zu erzählen


Die 3D Rage

ATIs Geschichte von Mach bis RadeonDie erste Verbindung von 2D- und 3D-Beschleunigung stellte ATI 1996 unter dem Namen 3D Rage vor - Namensgeber unserer Vorläuferseite Rage3D.de. Die 3D Rage basiert auf einer Mach 64, die um einige fundamentale 3D-Beschleunigungseinheiten, die immerhin schon DirectX 5.0 unterstützen, ergänzt wurde. So war die 3D Rage jedoch mit ihrer extrem langsamen Rendering-Pipeline (etwa 0.040 GPixel/s Füllrate) viel zu langsam um die 3D-Grafik wirklich zu beschleunigen - die CPU war meistens schneller. Die mit 40 MHz zur GPU synchron getakteten 4MB EDO-Ram Speicher waren jedoch ein Novum und sorgten für eine Speicherbandbreite von immerhin 320MB/s. Neu war ebenso die MPEG-1 Beschleunigung.

Die 3D Rage-Linie wurde noch weitergeführt und es folgten diverse Verbesserungen, Abkömmlinge und Nachfolger. Bereits wenige Monate später folgte letzterer in Form der Pin-gleichen 3D Rage II - die zwar viel mehr zu leisten vermochte als die ursprüngliche Rage (etwa doppelte 3D-Leistung und 20% höhere 2D-Leistung), aber dennoch zu langsam für einen echten Erfolg war. Der 3D Rage II-Chip wurde auf vielen verschiedenen Modellen eingesetzt, die zum Teil (3D Rage II+ DVD) schon DVD-Beschleunigung beherrschen. Dennoch ist die 3D Rage II ein deutlicher Fortschritt: Taktraten bis 60 MHz Chip- und 83 MHz Speichertakt des bis zu 4MB großen SGRAM-Speichers ermöglichen ein Füllrate von 0.060 GPixel/s und eine Speicherbandbreite von teuflischen 666MB/s. An Features kann die Rage II mit DirectX 5.0 und OpenGL Unterstützung, Treibern für Windows 95, 98 und NT sowie MPEG-2 (DVD) Beschleunigung auftrumpfen. Gleichzeitig wurde mit der ATI All-In-Wonder gleichnamige Serie (TV-Tuner auf Grafikkarte verbaut) in Gang gesetzt.
Diese Features und der günstige Preis gegenüber den Konkurrenten ebneten den Weg für ATI zum Liebling der OEMs (Original Equipment Manufacturer) wie Apple, Dell oder Compaq. Diese forderten featurereiche und günstige Grafikkarten, die ATI mit der 3D Rage II und den folgenden 3D Rage-Karten liefern konnte.

Auch wenn vom Namen her weiterhin eine 3D Rage II, ist die 3D Rage IIc bereits eine abgespeckte Version der neueren Generation und teilt sich somit das Design mit der 3D Rage Pro, die erstmals gegen die 3dfx Voodoo antreten konnte. Die in 350nm gefertigte 3D Rage Pro folgte im April 1997 und bietet bereits eine Füllrate von 0.075GPixel/s und eine gute Texturkompression. Auch die anderen Features wie DirectX 6.0 und OpenGL 1.1 sowie trilineare Filterung sprechen für die 3D Rage Pro, die für den neuen AGP-Port zugeschnitten ist und aus selbigem auch bereits Vorteile, wie "sideband addressing", zieht. Bis zu 100 MHz schneller und bis zu 8MB großer SG-RAM (800MB/s Bandbreite) stehen dem mit 75 MHz getakteten Chip zur Seite, doch verhinderten die Treiber besseres. Zwar veröffentlichte ATI im Februar 1998 die so genannten "Turbo Drivers" (Versionsnummer 4.10.2312) und labelte die 3D Rage Pro im gleichen Atemzug zur 3D Rage Pro Turbo um, doch halfen auch diese Treiber nichts. Zwar hielten sie die versprochenen 40% Mehrleistung ein, jedoch nur in den damaligen Allerwelts-Benchmarks 3D Winbench 98 und Final Reality und so blieb die 3D Rage Pro leistungsmäßig nur auf dem Niveau der Konkurrenten oder lag in OpenGL-Spielen sogar weit dahinter. Einem Erfolg der Karte bei den OEM-Verkäufen standen diese Probleme jedoch nicht im Weg - den Weg in die Spielerherzen sollte ATI jedoch erst später beschreiten.
Die 3D Rage Pro war zugleich die erste ATI Grafikkarte, die als Mobility-Modell auf den Markt kam.

Die durch die OEM-Verkäufe gut gefüllte Kasse nahm ATI im Dezember 1997 zum Anlass und übernahm für knapp 3 Million US-Dollar den Konkurrenten Tseng Labs (bekannt durch die ET4000- und ET6000 2D-Beschleuniger) samt seiner 40 Mitarbeiter und komplettierte 1998 die Einkaufstour durch den Zukauf von Chromatic Research mit den 140 Mitarbeitern für 63 Millionen US-Dollar.