ATIs Geschichte von Mach bis Radeon
Nunmehr 23 Jahre zu erzählenUr-Radeon bis DirectX8
Als Folge der Zukäufe und der schlechten Marktsituation der inzwischen veralteten Rage 128 Chips schrieb ATI im 2. Quartal 2000 einen Rekordverlust von 128.8 Millionen US-Dollar.
In diese schwierige Marktsituation setzt ATI alle "Karten" auf die erste Radeon - den Namensgeber unserer Seite. Der unter dem Codenamen Rage 6C entwickelte Chip ist der erste Chip, der wirklich breit gefächert angeboten wurde. Vom Einsteigermodell bis zum High-End Modell konnte ATI den Markt bedienen. Die in 180nm gefertigte GPU der Radeon hört auf den Namen R100 und hat gegenüber der Rage 128 einiges zu bieten. Das Spitzenmodell, die Radeon 64MB DDR, später auch als Radeon 7200 vermarktet, hat einen Takt von immerhin 183 / 183 MHz, 64MB DDR-Speicher, der über ein 128-Bit Speicherinterface angebunden wird, zwei Pixel-Pipelines, sechs TMUs sowie eine TnL-Einheit. Eine weitere Neuerung war HyperZ, eine Technologie mit der die Effizienz der Rendering-Pipeline erhöht wurde, was in einer ungefähren Bandbreitenerhöhung von 30% resultierte.
Die 3D-Fähigkeiten der Radeon wurden vor allem durch die DirectX 7 und OpenGL 1.3 Unterstützung weiter nach oben geschraubt: (Environment-) Bump Mapping, light maps und Texturkompression sind nur ein paar der Features. Weiterhin bleiben die gute DVD-Unterstützung sowie die zu dem Zeitpunkt an Bedeutung gewinnende gute 32-Bit Leistung. Auch die Videobeschleunigung war der Zeit voraus, doch kränkelten nicht nur hier, wie bisher in jeder Generation, die Treiber.
Darüber hinaus, was vielen bis zum heutigen Zeitpunkt nicht bekannt ist, hatte die ursprüngliche Radeon schon Pixel-Shader - nun zumindest fast. Durch eine Änderung der Spezifikationen in letzter Sekunde, verpasst die Radeon die Anforderungen der Pixel-Shader 1.0 Spezifikation von DirectX 8.0 knapp, auch wenn es möglich war, etwa den Pixel-Shader Test des 3DMark 2001 durch Modifikationen am Treiber zum Laufen zu bringen.
Neben dem R100 in Form der Radeon 64MB DDR retail (183 / 183 MHz) sowie der bulk-Version (166 / 166 MHz), der Radeon 32MB DDR (166 / 166 MHz), der Radeon LE (nur 148 / 148 MHz, sowie fehlendes, aber ebenfalls aktivierbares HyperZ) und der Radeon SDR (160 / 160 MHz, SD-Ram) existierte noch die RV100 in ATIs Portfolio, ein stark beschnittener R100 für den OEM-Markt, vermarktet als Radeon VE, später Radeon 7000.
Nur eine Pixel-Pipeline, fehlendes TnL sowie ebenfalls deaktiviertes HyperZ, ein 64-Bit Speicherinterface machten die RadeonVE zumindest in der 3D-Leistung zu einer nicht würdigen Radeon. Eine Besonderheit war jedoch der Dual-Monitor Support der VE durch einen zweiten verbauten RAMDAC.
Der R100 erlebte eine weitere Reinkarnation in Form des RV200, den meisten wohl eher als Radeon 7500 bekannt. Wesentliche Neuerung des ansonsten nahezu baugleichen RV200 ist der Die-Shrink, also die Umstellung des Fertigungsprozesses von 180nm auf 150nm.
Weitere kleinere Verbesserungen der Architektur (vergleichbar mit dem Schritt von HD 2900XT (R600) zu HD 3870 (RV670)) erlauben dem nun dank des kleinen Die günstigeren RV200 auch höhere Taktraten. Neben dem von der RV100 bekannten "HydraVision" getauften Dual-Monitor Support ermöglicht der RV200 auch wieder asynchrone Taktraten. Der Chiptakt beträgt in der BBA-Version 290 MHz, in den PBA-Versionen immerhin noch 270 MHz. Der weiterhin 64MB große Speicher erfuhr eine leichte Steigerung auf 230 MHz.
Mit der Radeon 7500 trennte sich ATI zudem von dem bisherigen Geschäftsmodell: Waren bis zur ursprünglichen Radeon alle Grafikkarte BBA-Karten (Build by ATI), also direkt von ATI gefertigte Karten, orientierte man sich nun am Modell des Konkurrenten nVidia und suchte sich Partnerfirmen, etwa PowerColor, Sapphire, Hercules oder HIS, die die Karten als PBA (Powered by ATI) verkaufen, um so konkurrenzfähiger zu werden.
Diese Produktvielfalt brachte ATI jedoch erst einmal schlechte Presse: Um im Preiskampf vorne zu stehen, setzten einige Firmen auf minderwertige Bauteile, sodass viele Karten mit Bildfehlern, flimmernder Bildausgabe und aus- oder gar abfallenden Kühlern zu kämpfen hatten. Dabei galt die Radeon 7500 sogar lange Zeit als ATI-Referenz was die 2D-Bildqualität anbelangt. Auch Modelle wie die Radeon 7500 LE mancher Hersteller sorgten eher für Unmut: Mit 230 / 166 MHz und über 64-Bit angebundenem SD-Ram war die Leistung einer Radeon 7500 nicht gerecht.
Zum gleichen Zeitpunkt im Oktober 2001 startet ATI einen Angriff auf den High-End-Sektor: Der ebenfalls in 150nm gefertigte R200 wartet nicht nur mit einer ganz neuen Architektur auf, auch von den Features war man bei ATI der Konkurrenz voraus. Die Radeon 8500, ausgeliefert in zwei Varianten, der Radeon 8500 und der 8500 LE, verfügt über 4 Pixel-Pipelines, 8 TMUs, DirectX 8.1- sowie OpenGL 1.3-Unterstützung und bis zu 128MB großen DDR-Speicher. Bei den Taktraten kehrte ATI zu den Wurzeln zurück: Die Radeon 8500 verfügt über einen synchronen Takt von 275 MHz bzw. 250 MHz für die LE.
Mit Pixel-Shader Version 1.4 und den 2 Vertex-Shadern "Charisma Engine II" war zum einen die Leistung als auch die Featurepalette an der Spitze. Ebenso an Board der 60Mio. Transistoren schweren GPU ist HyperZ II, ein deutlich optimiertes HyperZ.
Eine wirkliche Innovation stellt Truform dar, welches auch ausschließlich in der Radeon 8500 hardwarebasiert eingebunden ist - der indirekte Nachfolger "Tessellation" fand erst in den R600 wieder Einzug. Mit Truform lassen sich Rundungen ohne großen Leistungsverlust durch die GPU berechnen, als bestes Anwendungsbeispiel hierfür gilt Quake III.
Der Radeon 8500 sollte noch eine Radeon 8500 XT oder Radeon 8800 folgen, die aber zu Gunsten des R300 gestrichen wurde. Bei der 8500 XT / 8800 plante man bei ATI mit dem R250, weiterhin in 150nm gefertigt. Die Taktsteigerung auf 300 / 300 MHz sowie der Einsatz von 128MB Speicher waren somit die einzigen großen Neuerungen. Die wenige Samples, die das Licht der Welt erblickten, hatten zudem mit Leistungsproblemen zu kämpfen.
Mit der Einführung der Radeon 7500 und Radeon 8500 folgte zudem ein bedeutender Schritt was die Treiberentwicklung, bzw. deren Vermarktung anbelangt, hören alle Treiber ab diesem Zeitpunkt auf den heute noch verwendeten Namen "Catalyst".
Im gleichen Atemzug fühlen wir uns verpflichtet auch über eine weniger schöne Entwicklung zu berichten. Um die Leistung der Radeon 8500 in ein besseres Licht zu rücken, erschien ein "Wunder"-Treiber, der in Quake III kurzerhand die Bildqualität reduziert - Treiber-Cheating. Dennoch muss man ATI zugestehen, dass mit der Einführung des Catalyst die Treiberentwicklung endlich sich des besseren zuwendet und auch ohne weitere Cheats die Leistung der Modelle weiter steigerte.
Zur selben Zeit machte ATI sich die Profisparte des aufgelösten Konzerns Diamond Multimedia / S3 Graphics für 10 Mio. US-Dollar zu Eigen und setzt seitdem die unter dem Markennamen FireGL geführte Workstation-Grafikkartenlinie fort. Bei den FireGL-Karten handelt es sich ausnahmslos um Derivate der Radeon Grafikkarten, die durch spezielle Treiber in den OpenGL-Anwendungen deutlich die Geschwisterkarten übertrumpfen. Dieses Jahr hat man sich bei ATI von FireGL getrennt und die Serie in FirePro umgetauft.
