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ATIs Geschichte von Mach bis Radeon

Nunmehr 23 Jahre zu erzählen


Der Paukenschlag

ATIs Geschichte von Mach bis RadeonDer August 2002 ist sicher ein Datum, welches den eingefleischten ATI-Fans noch länger in Erinnerung bleiben wird, handelt es sich schließlich um den Monat in den die Veröffentlichung von ATIs bisher größtem Wurf, der Radeon 9700, fällt. Für dieses Meisterwerk verantwortlich zeichnen ein Haufen Ingenieure, genauer ein Großteil der Anfang 2000 übernommenen ArtX Mitarbeiter. Auch der ehemalige ArtX CEO (Chief Executive Officer), bis zur Übernahme von AMD COO (Chief Operative Officer) bei ATI, David Orton, hat einen großen Anteil am Erfolg der Radeon 9000-Linie. Unter seiner Führung wurden die Mitarbeiter zu drei parallel arbeitenden Entwicklungsteams neu strukturiert und ATI breit von Low- bis High-End aufgestellt.
Radeon 9700Die Radeon 9700 mit ihrem weiter in 150nm gefertigten R300-Core verfügt nun über 107 Mio. Transistoren (und damit über fast die doppelte Anzahl gegenüber dem R200) die sich auf gleich 8 Pixel-Pipelines, 4 Vertex-Shader, 8 TMUs sowie 8 ROPs aufteilen. Wie der Name Radeon 9700 schon andeutet beherrscht die Karte DirectX 9.0 und somit auch Pixel- und Vertex-Shader 2.0 und verfügt, bis dahin einmalig im Massenmarkt, über ein 256 Bit breites Speicherinterface. Mit an Board ist als weitere Neuerungebenfalls OpenGL 2.0 sowie eine weitere Neuauflage der Texturkompression in Form des HyperZ III.
Neu ist das 8x1-Design, eine Abwendung vom 1x2-Design (TMUs pro Pixel-Pipeline) des R200. So steht jeder Pixel-Pipeline nur noch eine TMU zur Seite, was die Pixelfüllrate massiv erhöht, während die Texelfüllrate konstant bleibt. Mit einer Leistung von 26 GFlop/s, die heute von jeder Office-Karte um das dreifache übertrumpft werden, ist die Radeon 9700 (Pro) zudem die erste Karte, die einen externen Stromanschluss in Form eines Floppy-Steckers benötigt.
Die geballte Leistung in Verbindung mit dem in vier 64Bit umfassende Memory Controller aufgeteilten 256 Bit breiten Speicherinterface ermöglicht erstmals den breiten Einsatz von Anti-Aliasing, genauer zwei- bis sechsfachem Multi-Sample-Anti-Aliasing, welches ebenfalls mit dem R300 Einzug fand und das langsame Super-Sampling des R200 ablöst.
Von der Radeon 9700 gibt es neben der normalen Version noch eine "Pro"-getaufte Version mit höheren Taktraten von 325 MHz Chip- und 310 MHz Speichertakt gegenüber 275 MHz bzw. 270 MHz der Radeon 9700 "non-Pro", die auch in höheren theoretischen Leistungswerten resultieren und die Pro an den 20 GB/s Speicherbandbreite kratzen lassen. An Speicher stehen beiden Modelle 128MB DDR-Speicher zur Verfügung.
Die größte und bedeutendste Neuerung des R300 ist jedoch eine Gegebenheit, die den Erfolg aller vorhergehender Grafikkarten verhindert hat: schnelle und stabile Treiber. Und so gelang der Radeon 9700, was vorher keiner ATI-Karte in diesem Ausmaß gelungen war. Sie deklassierte die Konkurrenz, was unter anderem mit ATIs neuer Modellpolitik zu tun hat, die es erlaubte, freigewordene Kapazitäten der Treiberentwicklung zuzusprechen. Zudem war es auch noch mehrere Jahre nach dem Release der Karte möglich neue Anwendungen flüssig und ohne große Einbußen auszuführen.

Da die gesamte Entwicklungsarbeit im R300 steckt, wurde dieser sehr große Die auch als Übergangslösung bis zum Release der Radeon 9600 in den Mittelklasse-Karten der Radeon-9000-Serie eingesetzt, während für den Low-End Markt beschnittene Radeon 8500-GPUs als Aushilfe dienen mussten.
Die besagten Mittelklasse-Karten hören auf den Namen Radeon 9500 bzw. Radeon 9500 Pro und unterscheiden sich von den vollwertigen und damit sehr teuren R300-Karten hauptsächlich durch ein auf 128Bit beschränktes Speicherinterface und somit einer halbierten Speicherbandbreite. Die non-Pro Radeon 9500 hat zudem oftmals nur 4 Pixel-Pipelines, von einigen Herstellern aber weiterhin mit einem 256Bit-Speicherinterface versehen entwickelte sich gerade diese Variante zu einem wahren Verkaufsrenner. Denn oftmals sind die R300-GPUs auf der Radeon 9500 vollkommen intakt und so lässt sich die Radeon 9500 durch das Aufspielen eines Bios einer Radeon 9700 zu eben jeder Karte umwandeln.
Trotz oder gerade wegen der nur geringen Beschränkungen (sämtliche Features und die übrigen Einheiten blieben unangetastet intakt) erzielten die Radeon 9500-Modelle für damalige Verhältnisse hervorragende Leistungswerte, die ATI jedoch aufgrund der Marktlage im Mid-Range-Segment mit einer teuren, weil großen, High-End-GPU, zu einem Spottpreis an den Mann bringen musste, was die Radeon 9500-Serie zur ATI-Serie mit der kürzesten Produktlebenszeit macht.

Radeon 9000 ProWie bereits erwähnt musste im Low-End Segment der R200 in Form des auf 36 Mio. Transistoren (150nm) geschrumpften RV250 aushelfen. Da auch schon zu der Zeit das V im Namen eine Beschränkung bedeutete, handelt es sich bei diesem Chip trotz der höheren Versionsnummer um eine beschnittenen R200-Core, den ein paar sinnvolle Ergänzungen vor dem Absturz in längst vergessene Leistungsregionen bewahren. Die als Radeon 9000 (250 / 200 MHz) (Pro: 275 / 275 MHz) vermarktete Karte musste sowohl auf eine der beiden TMUs als auch eine der zwei Vertex-Einheiten, TruForm und Hierarchical-Z verzichten. Im Gegenzug wurde der mit dem R200 eingeführte Texture-Cache auf 4KB vergrößert und so ein Leistungsnadelöhr maßgeblich verbreitert. Zudem fand mit FullStream ein Feature Einzug, welches Artefakte in Videos bekämpft.
Durch die Beschränkungen ließ sich der RV250 wesentlich günstiger produzieren und ist bedeutend sparsamer. Die Leistung der als 64 und 128MB Modelle ausgelieferten Karten reicht jedoch vollkommen aus um eine Radeon 7500 zu übertrumpfen und dank der bei den großen Herstellern beliebten Feature-Palette (Die Radeon 9000 bietet weiterhin DirectX 8.1, während Konkurrent nVidia mit der GeForce 4MX nur DirectX 7 in Petto hatte) entwickelte sich auch und gerade dieses Modell zu einem wahren Verkaufsschlager.

Radeon 9000Die später eingeführte Radeon 9200 (RV280) kann als einzige Neuerung AGP-8X Support aufweisen und hat mit der Radeon 9200 SE (64 Bit Speicherinterface) ein eher schlechtes Image, verkauft sich aber 2003 parallel zum Start der Radeon 9800 und Radeon 9600 und einige Jahre weiter sehr gut, da die Karte alle an eine Office-Karte gestellten Anforderungen erfüllt. Nicht zu vergessen ist ein weiterer Abkömmling, die 2004 eingeführte Radeon 9250: Mit langsameren Taktraten aber größerem Speicher (256MB) nutzte ATI hier den günstig verfügbaren groß dimensionierten, aber langsam spezifizierten DDR-Speicher.
Abseits der Erfolge mit der Geschäftspolitik übten die Medien an der Low-End Produktpalette von ATI harsche Kritik, die bis zu Betrugsvorwürfen reichen: Trotz der Andeutung der 9 im Produktnamen, verfügen diese Modelle, wie bereits erwähnt, nur über DirectX 8.1 Fähigkeiten.

Einen weiteren Abkömmling, jetzt aber der Letzte seiner Art, stellt die Radeon 9100 dar: Nahezu zu 100% auf dem R200 basierend, ist sie praktisch eine Wiederbelebung der Radeon 8500 LE und taktet mit 250 MHz / 240 MHz nur unwesentlich langsamer. Die beiden einzigen Neuerungen, die eine Umbenennung überhaupt rechtfertigen sind der von der Radeon 9200 bekannte AGP-8X Support sowie das ebenfalls mit der Radeon 9000 bereits eingeführte FullStream.