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ATIs Geschichte von Mach bis Radeon

Nunmehr 23 Jahre zu erzählen


Das Nachbeben

ATIs Geschichte von Mach bis RadeonIm Frühjahr 2003 folgte nicht nur die Radeon 9200 auf die Radeon 9000, sondern auch die Radeon 9700 und die Radeon 9500 wurden beerbt: Fortan gab es die Radeon 9800 als Upgrade des R300 sowie die Neuentwicklung Radeon 9600.
Abgesehen von marginalen Verbesserungen an den Shader-Einheiten und dem Speichercontroller entspricht der 110 Mio. Transistoren starke R350 getaufte Chip der Radeon 9800-Serie weitestgehend dem R300, wird aber trotz verbleibender, aber optimierter 150nm Fertigung höher getaktet. So verfügt das frühere Spitzenmodell Radeon 9800 Pro über einen Chiptakt von 380 MHz (+55 MHz) und einen Speichertakt von 340 MHz (+30 MHz), die Radeon 9800 rückt mit Taktraten von 325 MHz bzw. 290 MHz in etwa an die Stelle der Radeon 9700 Pro.
Weitere Neuerung stellt der Stromanschluss dar, der nun über einen 4-Poligen Molex-Stecker, wie er für Festplatten verwendet wird, die Karte mit Strom versorgt. Auch bei den Features gab es im Zuge der Entwicklung der Radeon 9800 weitere kleine Versionsupdates: SmartShader 2.1, SmoothVision 2.1 sowie HyperZ III+. Letzteres umfasst beispielsweise eine Neuabstimmung des Stencil-Buffers mit dem Ziel die Berechnung von Schatten weiter zu beschleunigen. Die Verbesserung am Shader-Code lässt den R350 bei Taktparität ein wenig schneller operieren als noch den R300.
Radeon 9800 Pro 256MBVon der Radeon 9800 Pro gibt es zudem eine 256MB GDDR2 Version, deren Performancevorteil des größeren Speichers trotz minimal angehobenem Speichertakt (+10 MHz) in damaligen Spielen quasi nicht vorhanden war und so auf Grund der hohen Preise sich nicht erfolgreich am Markt platzieren konnte.
Maßgeblich für den lang anhaltenden Erfolg der Serie war die überragende Pixel-Shader-Leistung, der die Konkurrenz nichts entgegen zu setzen hatte.
Wie den vorherigen Serien blieb auch der Radeon 9800 ein eher Image schädigendes Kapitel nicht erspart: Die beschnittenen SE-Versionen, doch musste der Käufer diesmal besonders aufpassen, gab es gleich mehrerer Alternativen zu erwerben:
Da wäre zum einen die ursprüngliche Radeon 9800 SE mit den bis auf das halbierte Speicherinterface identischen technischen Spezifikationen. Besonders dreist waren die weiterhin als "Radeon 9800 Pro" verkauften, jedoch mit einem ebenfalls auf 128 Bit halbierten Speicherinterface Modelle, die lediglich einen kleinen Aufkleber mit "128 Bit Bus" tragen. Doch auch die Radeon 9800 SE-Versionen, die nur vier statt derer acht Pixel-Pipelines und ein halbiertes Speicherinterface aufweisen, sind schlichtweg Betrug am Kunden. Einzig die Kombination aus vier Pixel-Pipelines und 256 Bit Interface war sehr beliebt, lassen sich viele der R350 GPUs weiterhin problemlos durch ein Treiber- oder Bios-Mod mit den vollen acht Pipelines betreiben. So waren die Jahre 2003 bis 2005 auch die Geburtsstätte heute vielen nicht einmal mehr bekannter Moddingtreiber, die neben den Mods vor allem eins versprachen: Mehr Leistung.

Radeon 9600 ProMit der Radeon 9600 stellte ATI eine komplette Neuentwicklung vor, die zudem auch als erstes ATI-Modell im damals fortschrittlichen 130nm Verfahren hergestellt wurde und so die für ATI wenig Marge abwerfende Radeon 9500 beerben sollte. Die groben technischen Features lesen sich wie folgt: 4 Pixel-Pipelines (4 TMUs, 4 ROPs) gepaart mit 2 Vertex-Shadern, dazu ein 128 bis 256MB großer DDR-Speicher im BGA-Design angebunden an ein 128 Bit breites Speicherinterface et voilà: Der neue Mittelstürmer mit der Trikotnummer RV350 ist kreiert.
Anhand der technischen Daten lässt sich erahnen, dass der RV350 aus wesentlich weniger Transistoren als der R300 besteht (75 Mio. gegenüber 107 Mio.) und zudem im 130nm Prozess noch weniger Fläche auf dem Wafer benötigt, folglich deutlich preiswerter zu produzieren ist. Die offensichtlichen Leistungsnachteile als Folge der schlanken Architektur versucht ATI durch deutlich gesteigerte Taktraten auf immerhin 400 MHz Chip- und 300 MHz Speichertakt der Pro-Version der Radeon 9600 auszugleichen, doch gelingt dies nur teilweise und so hat die Radeon 9600 einen schweren Stand, kann sie auf allen anderen Gebieten (Preis, Verbrauch, Features) mit Vorteilen aufwarten ist die Leistungsfähigkeit ein klarer Rückschritt.
Die "non-Pro"-Version, die mit 325 MHz bzw. 200 MHz aufwartet, kann dagegen die hauseigene Konkurrenz in Form der Radeon 9500 in Schach halten, sind hier die technischen Eigenschaften nahezu identisch. Wie auch in der gesamten "zweiten Generation" der Radeon 9000-Serie gibt es von der Radeon 9600 deutlich beschnittene SE, LE oder EZ genannten Modelle, die sich vor allem durch das auf 64 Bit beschränkte Speicherinterface in der Leistungsfähigkeit ein paar Jahre zurückwerfen - eine Speicherbandbreite von 3.2 GB/s kann selbst die Radeon 64MB DDR fast um das doppelte übertrumpfen.

Doch auch der R350 bzw. der RV350 sollten nicht die letzten Vertreter der Radeon 9000-Serie bleiben, stellte ATI am 1. Oktober 2003 in einer eindrucksvollen Inszenierung im ehemaligen amerikanischen Hochsicherheitsgefängnis auf Alcatraz, San Fransisco die beiden Thronfolger R360 und RV360 vor.
Radeon 9800 XTErsterer fand in der Radeon 9800 XT Verwendung, letzterer in der Radeon 9600 XT. Beide GPUs konnten neben weiteren internen Verbesserungen mit zwei Neuerungen aufwarten: Einem Temperatursensor sowie der ersten Version von Overdrive, das in der damaligen Version temperaturabhängig den Chiptakt erhöht. Beiden Karten lag zudem als Marketing-Coup Half-Life 2 in Form eines Gutscheins bei - das Spiel hatte sich wie so viele deutlich verspätet.
Radeon 9600 XTDer Chip der Radeon 9800 XT taktet mit 412 bis 435 MHz, der DDR2-Speicher läuft mit 365 MHz. Somit liegen die Taktraten nur unwesentlich über denen der Radeon 9800 Pro und dementsprechend gering ist der Performancevorteil des neuen High-End Modells, das aber auf der Haben-Seite noch den auf 256MB verdoppelten Speicher verbuchen kann. Zudem spendierte ATI der XT einen deutlich aufwendigeren Kühler, der auf dem Prinzip Kupfer + großer Lüfter aufbaut - ein Novum.
Deutlich "sinnvoller" scheint da der RV360, konnten die Kanadier durch den Einsatz des low-k Produktionsprozesses die Leistungsaufnahme senken und den Taktbereich erhöhen. So fällt die Steigerung mit 100 MHz gegenüber der Radeon 9600 Pro auch wesentlich deutlicher aus - der Speichertakt dagegen blieb unangetastet. Da auch die 9600 XT über Overdrive verfügt, kann der GPU-Takt auf bis zu 532 MHz steigen, der Speichertakt bleibt dagegen unangetastet bei 300 MHz, sodass sich im ganzen der Leistungsvorteil vor der Pro-Version bei etwa 10 bis 15% einpendelt. Ebenso einen Anteil daran dürften erneute Optimierungen der RV360 GPU haben.

altes ATI-LogoEbenfalls im Zuge der Vorstellung änderte der kanadische Konzern das eigene Firmenlogo. Fortan sollten die drei Buchstaben ATI nicht mehr zusammen, sondern getrennt erscheinen, so wie dies auch heute noch der Fall ist. Das Event von Alcatraz wurde ebenfalls für die Bekanntgabe eines neuen, wichtigen Partners an Seiten von ATI genutzt: Asus. Somit lief es nicht nur bei den Produkten rund, auch in der Kasse hat es Ende 2003 noch kräftig gebrummt:
Durch die guten Verkaufszahlen konnte ATI im 3. Quartal 2003 einen Gewinn in Höhe von fast 130 Mio. US-Dollar erwirtschaften, der Umsatz betrug über 460 Mio. US-Dollar.

Zu diesem Zeitpunkt endet unser erster Artikel aus Rage3D.de-Zeiten, ab nun wird die Geschichte neu geschrieben. Beginnen wir also mit dem nächsten erwähnenswerten Ereignis im März 2004:
Als letzter Vertreter der Radeon 9000-Serie basiert die Radeon 9550 auf einem niedriger getakteten RV350 und unterscheidet sich von der Radeon 9600 (SE) nur durch die Chip-Taktraten von 250 MHz anstelle der 325 MHz des größeren Schwestermodells. Speichertakt und Features der mit bis zu 256MB bestückten Karte blieben unangetastet, sodass sich auch diese Karte für einen Bios-Flash zu einer Radeon 9600 "nonPro" eignete - und vielfach auch genutzt wurde. Die Partner von ATI reagierten und GeCube stellte mit der Radeon 9550 Xtreme Edition C3P sogar ein Modell vor, dass bereits von Werk aus mit 430 MHz Chip- bzw. 275 MHz Speichertakt ausgeliefert wurde. Neben dem 128MB großen 3.3ns BGA-Speicher verfügt die Karte zudem über einen eigenen Kühler.

Der nächste große Termin in der ATI-Geschichte steht an: Anfang Mai, genauer am 4. Mai 2004, betraten die Kanadier das X-Zeitalter. Doch wollen wir an dieser Stelle unseren ersten Teil der ATI Geschichte beenden.