Das schon seit langem angestaubte BIOS arbeitet seit über 26 Jahren als zentrale Schnittstelle zwischen Hardwarefirmware und Betriebssystem in PCs, Servern und Notebooks. Durch das hohe Alter im kurzlebigen Hardware- und Softwaresegment müssen die Hardwarehersteller viel experimentieren und fummeln um Stabilität und den vollen Funktionsumfang zu garantieren - dadurch werden Kritikerstimmen immer lauter. Durch Entwicklungen wie EFI (Extensible Firmware Interface) sowie dessen Nachfolger Unified EFI grenzen sich bereits einige Hersteller erfolgreich vom konservativen BIOS ab, so konnte Apple durch die Hilfe von Intel nachziehen und das EFI verwenden. Genauso finden sich auch auf aktuellen Intel-Plattformen einige Platinen mit der BIOS-Ablösung. Doch wie sieht das Ganze bei AMD aus?
AMD unterstütze ebenfalls die Gehversuchte von EFI, damit die Komptabilität zu den eigenen Opterons und Athlon 64-Prozessoren auch zukünftig gesichert ist. Allerdings sind AMDs hardwareseitige Vorgaben für die Mainboardhersteller sehr ernüchternd und so fehlt das Engagement, um auf UEFI umzusatteln. Dadurch hat sich für den interessierten Käufer nur wenig auf dem Desktop-, Server- und Workstationsmarkt verändert. Es scheint, als wäre der UEFI Zug für AMD bereits abgefahren - doch eine zeitgemäße Alternative tritt hervor.
Eine neue Hoffnung:
Abgesehen von EFI gibt es noch eine Alternative, die sogar quelloffen und unter der GNU General Public License steht. Die Rede ist von coreboot, welches in der Vergangenheit als LinuxBIOS bekannt wurde. Als eines der größten Vorteile sei die sehr geringe Bootzeit genannt, wodurch der Ladebildschirm des Betriebssystems in weniger als eine Sekunde nach Systemstart angezeigt wird. Der freie BIOS-Nachfolger ist zurzeit hauptsächlich auf Cluster-Systemen und diversen Embedded-Lösungen angesiedelt. Zwar laufen bereits einige Server mit Coreboot, doch fehlte bislang eine Verbindung zu den eigentlichen Server- und Desktopplattformen.
Seit Anfang Mai ist der Funke aber nun auch auf die Hardware von AMD übergesprungen und so beginnen die Opterons und Chipsätze der C32- und G34-Sockel langsam aber sicher Coreboot zur Seite zu stehen. Zwar wird Coreboot derzeitig nur von den AMD Opterons der 4100 Serie samt den SR5600-Chipsätzen unterstützt, doch soll in Kürze die AMD Opteron 6100 Serie folgen. Gleiches gilt auch für die AMD 785E/SB8xx-Chipsätze. Sobald AMD diese Hürden meistert, können alle aktuellen Embedded-Plattformen mit Coreboot zusammenarbeiten. Des Weiteren legt AMD selbst Hand an Coreboot und implementiert gerade neue Energiesparfähigkeiten samt den S3-Energiesparmodus für Opterons und anderen Embedded-APUs.
Info am Rande: Der C32 ist der aktuelle Sockel für Single- und Entry-Level Dual CPU Systeme (Opteron 4000 Serie) und G34 ist der Sockel für High-End Dual-CPU und Quad-CPU Systeme (Opteron 6000 Serie).
Der Hoffnungsschimmer für alle BIOS-Kritiker:
Abschließend versichert AMD, dass alle zukünftigen Embedded-Produkte zu Coreboot kompatibel sein werden und durch den kommenden Startschuss der Llano-APUs auch andere Bereiche erschlossen werden. Schließlich sieht AMD Coreboot als nützliches Bindeglied für zahlreiche Märkte und Anwendungen und will auch zukünftig neue Features integrieren und die eigenen Produkte davon profitieren lassen. Somit liegt auch der Desktopbereich nicht in all zu weiter Ferne.
Quelle: Kevin Tanguay, Senior Product Marketing Manager AMD Embedded Solutions